Kapitalmarktausblick 3. Quartal 2026

Wien/Salzburg, 30. Juni 2026
 
  • Das KI-Tippspiel läuft: Wie bei der Fußball-WM herrscht auch an den Börsen großes Wettfieber um die künftigen Champions
  • Taktischer Wechsel: Nach der Entspannung im Iran-Konflikt atmen die Märkte auf; die Schoellerbank nimmt Gewinne im Juni mit und reduziert die Aktiengewichtung leicht
  • Die Favoriten überzeugen fundamental: Anders als beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 wird die heutige Tech-Aufstellung durch massive fundamentale Milliardengewinne abgesichert
  • Selektive Einstiegschancen: Das Abklingen der ersten Panikwelle eröffnet Gelegenheiten bei Staatsanleihen sowie im korrigierten Aktienmarkt
  • Wachstumsorientierte Meistertaktik: Mit Tech-Aktien in der Offensive und internationalen Qualitätsunternehmen im Mittelfeld bleibt die Schoellerbank Vermögensverwaltung auf Wachstumskurs

Die Aktienmärkte befinden sich in einem ähnlichen „Wettfieber“ wie zahlreiche Fans der Fußball-WM: Welche Unternehmen werden langfristig als die großen Gewinner aus dem Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) hervorgehen? Diese Wetten laufen nun schon seit einigen Jahren und die Einsätze sind hier zweifellos enorm. Doch während die Weltmeisterschaft in Nordamerika gerade in die entscheidende Phase übergeht, befinden wir uns beim KI-Wettlauf noch lange nicht an dem Punkt, an dem Gewinner und Verlierer klar unterscheidbar sind. Die tiefgreifenden wirtschaftlichen Implikationen der Künstlichen Intelligenz werden die Märkte auf absehbare Zeit beschäftigen.

Geopolitische Entspannung mit offenem Ausgang

Das zweite marktbeherrschende Thema ist nach wie vor die Geopolitik. Im Iran-Konflikt scheint eine Einigung in Reichweite. Dieser so genannte Deal belässt wesentliche strategische Trümpfe in den Händen Teherans. Für die US-Regierung wird damit das Risiko eines politischen Desasters angesichts der empfindlich gestiegenen Energiepreise und mit Blick auf die US-Kongresswahlen (Midterms) im Herbst zumindest verringert. Zudem zeichnet sich eine Normalisierung des schiffbasierten Öltransports durch die Straße von Hormus ab. Gelöst ist der zugrundeliegende Konflikt damit allerdings nicht. Es stellt sich die berechtigte Frage: Wie stabil und belastbar ist dieses Abkommen wirklich?

Die Reaktion der Finanzmärkte fiel jedenfalls sehr positiv aus: Die Preise für Öl, Gas und viele damit zusammenhängende Rohstoffe sind spürbar gesunken. Die Aktienmärkte wenden ihre Aufmerksamkeit nun wieder verstärkt der ausgesprochen robusten internationalen Konjunktur und den deutlich steigenden Unternehmensgewinnen zu.

Auch Anleiheanleger:innen atmen angesichts der sinkenden Energiekosten und des damit nachlassenden Inflationsdrucks etwas auf. Die EZB hat im Juni die Leitzinsen zwar erstmalig in diesem Jahr um 0,25 % angehoben, doch weitere Zinsschritte sind wieder etwas weniger wahrscheinlich geworden. Bis Ende 2026 dürfte es aus heutiger Sicht maximal zu einer weiteren Zinsanhebung kommen. Vor einem Monat rechneten die Marktteilnehmer:innen für dieses Jahr noch mit insgesamt drei Zinserhöhungen. Dementsprechend konnten sich die Notierungen an den Rentenmärkten in den letzten Wochen von den jüngsten Kursvolatilitäten etwas erholen.

Geht der KI-Boom in die Verlängerung?

Die US-Wirtschaft befindet sich in einer Hochkonjunktur, die vor allem von den enormen Investitionen in die KI- und Energieinfrastruktur angetrieben wird. In den USA haben die vier großen Technologie-Schwergewichte – Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta – angekündigt, ihre ohnehin schon massiven Investitionsausgaben (CapEx) in diesem Jahr noch einmal deutlich zu forcieren. Rund 700 Milliarden US-Dollar werden diese vier KI-Vorreiter im Jahr 2026 voraussichtlich investieren – das ist rund doppelt so viel wie im Jahr davor.

Damit stehen sie keineswegs alleine da: Wie eine Studie von Gartner zeigt, werden die KI-Investitionen im globalen Kontext dieses Jahr auf etwa 2,6 Billionen US-Dollar geschätzt – ein Zuwachs von 47 % gegenüber dem Vorjahr. Der Löwenanteil dieser gigantischen Summen fließt in den Ausbau von Rechenzentren und die dafür notwendige Hardware, wie etwa modernste Halbleiterchips. Gemäß den Prognosen der Analyst:innen steigen die weltweiten KI-Ausgaben im Jahr 2027 um weitere 35 % auf rund 3,5 Billionen US-Dollar.

Doch längst nicht alle Marktbeobachter:innen sehen die aktuelle Entwicklung ausschließlich positiv. Die immensen Investitionen in die technologische Infrastruktur müssen sich mittelfristig durch höhere Einnahmen entsprechend rechtfertigen. Aktuell ist das noch nicht der Fall: Selbst die wegweisenden KI-Akteure, die heuer an die Börse drängen – OpenAI, Anthropic und das fusionierte SpaceX –, schreiben aufgrund der gewaltigen Entwicklungskosten tiefrote Zahlen. Ihre Umsätze sind zuletzt jedoch rasant gestiegen.

Das Firmen-Imperium rund um Elon Musk hat zuletzt im Mai eine bemerkenswerte Struktur geschaffen. SpaceX absorbierte das KI-Start-up xAI, um dessen Sprachmodell Grok mit der eigenen Kapitalstärke zu stützen. Für die astronomische Bewertung beim jüngsten Nasdaq-Börsengang war dieser KI-Anteil zwar der entscheidende Kurstreiber, das operative Fundament und der Löwenanteil der tatsächlichen Erträge liegen derzeit jedoch nach wie vor beim hochprofitablen Geschäft mit der Satellitenkommunikation über Starlink.

Dieser Umstand lässt Stimmen laut werden, die den KI-Boom auf tönernen Füßen sehen. Sollten Anleger:innen also vorsichtiger agieren?

Wie groß ist die Gefahr einer KI-Blase?

Auch wenn man der Meinung sein kann, dass die jüngsten Börsengänge im KI-Bereich verfrüht und die Bewertungen angesichts der unsicheren Bilanzen zu hoch angesetzt sind, bleibt ein Fakt unumstößlich: Die etablierten Tech-Giganten gehören weiterhin zu den profitabelsten Unternehmen der Welt. Der Aktienmarkt hat sich an den vorteilhaften Umstand gewöhnt, dass die größten und am schnellsten wachsenden Unternehmen auch über hervorragende Bilanzen verfügen. Mit dem Markteintritt der neuen, noch unprofitablen KI-Akteure wird sich dieses Bild jedoch etwas differenzieren, was temporär durchaus zu stärkeren Kurskorrekturen führen kann.

Für den Gesamtmarkt sind die womöglich überzogenen Bewertungen einzelner Newcomer jedoch nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, wie sich die Konjunktur und die Unternehmensgewinne in der Breite entwickeln. Der oft gehörte Einwand, dass die Bewertungen des Gesamtmarktes heute pauschal zu hoch seien und an die Dotcom-Blase erinnern, hält einer tieferen Prüfung nicht stand. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erwarteten Erträge der kommenden zwölf Monate notiert der S&P 500 aktuell bei rund 22. Im Jahr 2000, zum Höchststand der Technologiehausse, lag dieses Forward-KGV bei fast 30.

Zudem hat sich die fundamentale Qualität des Index dramatisch verändert. Standen den hohen Kursen zur Jahrtausendwende im Tech-Sektor kaum nennenswerte Erträge gegenüber, wird das Gewicht der großen Tech-Unternehmen heute von massiven Gewinnen untermauert.

Dem KGV sollte auch das Gewinnwachstum gegenübergestellt werden: In den fünf Jahren vor dem Platzen der Dotcom-Blase (1995–2000) wuchsen die Gewinne im S&P 500 im Schnitt um 12 % pro Jahr. Blicken wir auf die letzten fünf Jahre bis Mai 2026, sind die Gewinne im Schnitt sogar um etwas mehr als 15 % pro Jahr gestiegen.

Fazit

Wir sehen am US-Aktienmarkt eine Bewertung, die zwar erhöht, aber keineswegs auf einem historischen Allzeithoch liegt. Gleichzeitig hat das fundamentale Gewinnwachstum die Erwartungen der vergangenen Jahre deutlich übertroffen. Und diese Dynamik reißt nicht ab: Analyst:innen schätzen, dass auch für die kommenden zwei Jahre – getrieben durch den KI-Ausbau – mit einem starken Gewinnwachstum im globalen Aktienmarkt zu rechnen ist. Ein breit diversifizierter Einstieg in den Aktienmarkt bleibt daher, trotz gewisser Bewertungsrisiken bei reinen KI-Titeln, weiterhin ratsam.

Die Schoellerbank bleibt in ihren Vermögens-verwaltungsmandaten klar auf Wachstumskurs. Anders als beim WM-Tippspiel setzen wir in der professionellen Vermögensverwaltung aber niemals auf einen einzigen Favoriten. Wir diversifizieren das Portfolio und fokussieren uns auf internationale Unternehmen aus unterschiedlichen Regionen sowie Branchen mit starken Geschäftsmodellen und soliden Bilanzen.

Im Juni haben wir die Aktiengewichtung taktisch leicht reduziert und Gewinne realisiert. Mit einer unverändert hohen Gewichtung von US-Aktien und Technologiewerten – analog zur internationalen Benchmark – sind wir auf dem Börsenparkett weiterhin stark positioniert.

Zudem profitieren asiatische Märkte von der immensen Chip-Nachfrage der US-Wirtschaft sowie von der weltweit rasant steigenden Nachfrage nach fortschrittlichen Halbleitern und essenziellen Rohstoffen. Unsere Konsequenz für das Portfolio: Aufgrund dieser hervorragenden Wachstumsaussichten und der fundamentalen Bedeutung für die globale Tech-Infrastruktur gewichten wir Schwellenländer – vorrangig in Asien – in den Mandaten bewusst über.

Der Blick der Anleger:innen wandert derzeit oft an Europa vorbei – man möchte meinen zu Recht, wenn nur die träge Konjunktur und die zäh anlaufenden Reformen betrachtet werden. Die europäischen Konjunkturdaten sollten jedoch nicht losgelöst von den besten Unternehmen Europas betrachtet werden. Der alte Kontinent beheimatet globale Key-Player in absoluten Zukunftssektoren: von der unverzichtbaren Ausrüstung für die weltweite Chipindustrie bis zur Infrastruktur für die gigantische Energienachfrage von Rechenzentren. Diese Konzerne agieren global und entkoppeln sich erfolgreich vom europäischen Heimatmarkt.

Der Rentenmarkt verbleibt unter einem anhaltenden Inflationsdruck, der den Zentralbanken weiterhin schwierige Abwägungen abverlangt. Zwar scheint die Iran-Krise fürs Erste überwunden zu sein, doch die Inflationsdynamik könnte auch ohne erneuten Preisdruck an den Zapfsäulen hoch bleiben. Der Grund dafür liegt in der robusten Konjunktur: Die wirtschaftliche Dynamik stützt den zugrundeliegenden Preisauftrieb, da sich die Teuerung zunehmend von den volatilen Energiekomponenten hin zu einer breiter abgestützten Kerninflation verlagert. Wir positionieren uns im mittleren Laufzeitenbereich, da hier das Verhältnis zwischen den Zinsrisiken am langen Ende der Kurve und den laufenden Erträgen aus unserer Sicht am attraktivsten ist.

 

 

Autor:
Mag. (FH) Jakob Frauenschuh, CFA
Investment Strategy, Leiter Aktienteam Vermögensverwaltung Schoellerbank AG
Tel.: +43/662/8684-2751
jakob.frauenschuh@schoellerbank.at

 

Rückfragen bitte auch an:
Marcus Hirschvogl, BA, ACI OC
Pressesprecher, Media Relations & Executive Communications
Kommunikation und PR
Schoellerbank AG
Tel.: +43/1/534 71-2950
1010 Wien, Renngasse 3
marcus.hirschvogl@schoellerbank.at

 

Die Schoellerbank, gegründet 1833, ist eine der führenden Privatbanken Österreichs und gilt als Spezialistin für anspruchsvolle Vermögensanlage. Sie konzentriert sich auf die Kernkompetenzen Vermögensanlageberatung, Vermögensverwaltung und Wealth Advisory. Ihre Anlagephilosophie definiert sich über das Motto „Investieren statt Spekulieren“. Die Schoellerbank ist mit acht Standorten und 310 Mitarbeiter:innen die einzige österreichweit vertretene Privatbank. Sie verwaltet für private und institutionelle Anleger:innen ein Vermögen von mehr als 14 Milliarden Euro.

 

Das sollten Sie als Anleger:in beachten – wichtige Risikohinweise:

Jede Kapitalveranlagung ist mit einem Risiko verbunden. Wert und Rendite einer Anlage können plötzlich und in erheblichem Umfang steigen oder fallen und können nicht garantiert werden. Auch Währungsschwankungen können die Entwicklung des Investments beeinflussen. Es besteht die Möglichkeit, dass der:die Anleger:in nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält, unter anderem dann, wenn die Kapitalanlage nur für kurze Zeit besteht. Unter Umständen kann es bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals samt Kaufspesen kommen. Wir weisen darauf hin, dass sich die Zahlenangaben bzw. Angaben zur Wertentwicklung auf die Vergangenheit beziehen und dass die frühere Wertentwicklung kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse ist. Gebühren und steuerliche Aufwendungen können die angeführten Performancezahlen reduzieren.

 

Rechtliche Hinweise:

Diese Unterlage wurde nur zu Werbezwecken erstellt und stellt keine Finanzanalyse, keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar. Die vorliegenden Informationen sind insbesondere kein Angebot und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren sowie keine Aufforderung, ein solches Angebot zu stellen. Sie dienen nur zu Informationszwecken und können eine auf die individuellen Verhältnisse und Kenntnisse der Anleger:innen bezogene Beratung nicht ersetzen.

Diese Marketingmitteilung wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

Über den grundsätzlichen Umgang der Schoellerbank AG mit Interessenkonflikten sowie über die Offenlegung von Vorteilen informiert Sie die Broschüre „MiFID II – Markets in Financial Instruments Directive“. Ihr:e Berater:in informiert Sie gerne im Detail.

Bezüglich der steuerlichen Behandlung wenden Sie sich bitte an Ihre:n Steuerberater:in. Die steuerliche Behandlung ist von den persönlichen Verhältnissen der Anleger:innen abhängig und kann künftig Änderungen unterworfen sein.

Die vorliegenden Informationen wurden von der Schoellerbank AG, Renngasse 3, 1010 Wien, auf der Grundlage von öffentlich zugänglichen Quellen erstellt, die als zuverlässig eingeschätzt werden. Die Informationen können jederzeit einer Änderung unterliegen. Die Schoellerbank AG ist zu einer Aktualisierung dieser Informationen nicht verpflichtet. Die Haftung der Schoellerbank AG für leichte Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit der Quellenrecherche und -studie und den darauf beruhenden Informationen wird ausgeschlossen.

Diese Unterlage darf nicht an „US-Persons“ (Regulation S des US-Securities Act 1933) ausgehändigt werden.

Vervielfältigungen – in welcher Art auch immer – sind nur nach vorheriger ausdrücklicher Genehmigung der Schoellerbank AG zulässig. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre:n Betreuer:in. Irrtum und Druckfehler vorbehalten.

Stand: 30. Juni 2026

Diese Marketingmitteilung wurde von der Schoellerbank AG, Renngasse 3, 1010 Wien, erstellt (Medieninhaber und Hersteller).