Kapitalmarktausblick 2. Quartal 2026

Wien/Salzburg, 31. März 2026
 
  • Geopolitischer Flaschenhals: Die Blockade der Straße von Hormus bedroht die globalen Warenströme weit über den Energiesektor hinaus. Doch eine baldige Deeskalation scheint das wahrscheinlichste Szenario
  • Konjunkturelle Resilienz: Trotz des Energiepreisschocks bleibt die fundamentale Verfassung der Weltwirtschaft robust. Dies schafft die Basis für eine Rückkehr der Märkte zu wirtschaftlichen Kernfaktoren
  • Geldpolitische Wachsamkeit: Die Notenbanken priorisieren die Inflationsstabilität vor einer verfrühten Lockerung, da hartnäckige Zweitrundeneffekte trotz stabilisierter Rohstoffpreise ein latentes Risiko bleiben
  • Selektive Einstiegschancen: Das Abklingen der ersten Panikwelle eröffnet Gelegenheiten bei Staatsanleihen sowie im korrigierten Aktienmarkt
  • Die jüngste Eskalation im Nahen Osten trifft die Weltwirtschaft an ihrer empfindlichsten Stelle. Mit der faktischen Sperrung der Straße von Hormus ist die zentrale Energie- und Rohstoffarterie des globalen Handels verstopft. Es geht dabei um mehr als nur den Ölpreis: Die Versorgungssicherheit bei Erdgas, Treibstoffen sowie industriellen Vorprodukten wie Nitrat, Schwefel und Helium ist akut gefährdet. Die Parallelen zur Inflationskrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine sind unverkennbar.

 

Ein strategisches Patt erschwert die Lösung

Die Blockade ist Teil der iranischen Reaktion auf die militärischen Auseinandersetzungen mit Israel und den Vereinigten Staaten. In einer asymmetrischen Logik nutzt Teheran seine geografische Lage, um den Preis für den Westen in die Höhe zu treiben. Doch diese Strategie ist ein zweischneidiges Schwert: Der Iran muss die Interessen seiner wichtigsten Abnehmer in Ostasien – allen voran China und Indien – wahren. Ein dauerhafter Kollaps des Handels in der Region würde das Regime in Teheran politisch isolieren. Erste diplomatische Signale deuten daher darauf hin, dass eine Wiederöffnung des Nadelöhrs schrittweise angestrebt wird, um den Druck auf die asiatischen Partner zu mindern.

Militärisch steht der Iran unter massivem Druck; die Schlagkraft seiner konventionellen Kräfte wird durch die Koalition aus USA und Israel systematisch dezimiert. Dennoch befindet sich Teheran in einer paradoxen Position der Stärke: Ein Regimewechsel ist durch Luftschläge allein kaum zu erzwingen, und für eine großflächige Bodeninvasion fehlt in Washington derzeit der politische Wille.

Für die US-Administration wäre eine weitere Eskalation auch aus wirtschaftlichen und politischen Überlegungen riskant. Zwar verfügen die Vereinigten Staaten über eine hohe Energieautarkie, doch eine Destabilisierung der Golf-Monarchien würde US-Interessen nachhaltig beschädigen. Zudem blickt die Regierung in Washington mit Argusaugen auf die Finanzmärkte. Im aktuellen Wahljahr richtet sich der Blick außerdem auf die abnehmende Zustimmung in der Bevölkerung zu einem langwierigen militärischen Einsatz ohne klare Exit-Strategie.

Rückkehr der Inflation

An den Finanzmärkten hat die Phase der Neubewertung bereits begonnen. Steigende Energiekosten schüren Inflationsängste und lassen die Erwartung künftiger Zinssenkungen schwinden. Während die Märkte für die USA bereits eine restriktivere Gangart der Fed einpreisen, stellt sich für Europa eine schmerzhafte Frage: Kann die EZB die Zinsen erhöhen, um den Preisdruck zu dämpfen, während der Kontinent gleichzeitig durch die steigenden Energiepreise unter erneuten wirtschaftlichen Druck gebracht wird? Eine solche Entscheidung stünde im Widerspruch zur notwendigen Konjunkturstützung, doch das Marktsignal – steigende Renditen bei Staatsanleihen – ist unmissverständlich. Historisch betrachtet sind geopolitische Schocks an den Börsen oft von kurzer Dauer, sofern sie nicht in einen globalen Flächenbrand münden. Die entscheidende Frage für Investor:innen ist derzeit nicht die Dauer des Konflikts, sondern der Zeitpunkt, an dem die neuen Realitäten in den Lieferketten vollständig eingepreist sind. Es ist davon auszugehen, dass sich die Energiepreise auf einem erhöhten Plateau stabilisieren werden, bevor mittelfristig – getrieben durch eine schrittweise Verbesserung der Versorgungslage – eine Entspannung eintritt. Dennoch müssen sich Anleger:innen auf ein Umfeld einstellen, in dem „höher für länger“ nicht nur für die Inflation, sondern auch für die Zinsen gilt.

Was bedeutet dies für die Finanzmärkte?

Trotz der volatilen Nachrichtenlage mehren sich die Anzeichen für eine baldige Deeskalation, da die kumulierten militärischen und wirtschaftlichen Risiken eine Fortführung des Konflikts für alle Akteure untragbar machen. Dank ihrer militärischen Dominanz und energetischen Autarkie agieren die USA zunehmend aus einer Position der Stärke als Vermittler, wenngleich die Eskalationsrhetorik nicht aufgegeben wird. Die internationalen Aktienmärkte sehen sich derzeit einer hohen Volatilität ausgesetzt, da die oft widersprüchlichen Signale der US-Regierung bezüglich der diplomatischen Bemühungen um einen Waffenstillstand die Anleger:innen zwischen Hoffnung und Skepsis hin- und hertreiben.

Trotz dieser Turbulenzen zeichnet sich jedoch ab, dass die Krise – zumindest aus Sicht der Finanzmärkte – allmählich an Schrecken verliert und in eine Phase der Beruhigung übergeht. Es ist zu erwarten, dass die Börsen den geopolitischen Schock nun sukzessive hinter sich lassen, um sich wieder den fundamentalen Treibern zuzuwenden. Dabei rücken die künftige wirtschaftliche Dynamik und deren Bewertung durch die Märkte erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Vor dem Ausbruch der Krise präsentierte sich die konjunkturelle Lage in den Vereinigten Staaten sowie in den Schwellenländern bemerkenswert robust, und auch für Europa standen die Zeichen auf Expansion. In Fernost sorgt derweil die neue Regierung in Tokio für Optimismus, da sie derzeit die wohl wachstumsfreundlichste Politik der vergangenen Jahre verfolgt. Die Auswirkungen der jetzigen Krise auf dieses Bild sollten überschaubar sein – sofern das Szenario einer Entspannung in den kommenden Wochen zutrifft.

Fazit

Für den Aktienmarkt scheint das Glas derzeit wieder mehr als halb voll zu sein: Wir erwarten eine Fortsetzung der Erholungsbewegung in den kommenden Wochen – vorausgesetzt, die Lage im Nahen Osten erfährt keine erneute dramatische Eskalation. Unter dieser Prämisse dürften die globalen Aktienindizes ihre vormaligen Höchststände nicht nur erreichen, sondern im weiteren Verlauf des Jahres sukzessive überschreiten. Dementsprechend bleiben wir über der neutralen Benchmarkgewichtung in Aktien investiert, wobei sich insbesondere der US-Markt, der im Vorjahr unter der Dollar-Schwäche litt, in diesem Jahr als stabiler Anker in unseren Portfolios bewährt hat.

Parallel dazu hat sich das Umfeld an den Anleihemärkten angesichts des signifikant gestiegenen Zinsniveaus spürbar aufgehellt, wodurch festverzinsliche Wertpapiere wieder an Attraktivität gewonnen haben. Gleichwohl bereitet die aktuelle Inflationsentwicklung den Währungshüter:innen sichtliche Sorgenfalten, da sich der Preisdruck über vielfältige Kanäle zeitversetzt in der breiten Realwirtschaft niederzuschlagen droht. Auch wenn die Energiepreise von ihren jüngsten Spitzenwerten wieder nachgeben dürften, bleibt die Gefahr von Zweit- und Drittrundeneffekten ein latentes Risiko.

Vor dem Hintergrund der schmerzhaften Erfahrungen des Jahres 2022 nehmen die Notenbanken dieses Szenario äußerst ernst; im Zweifelsfall scheinen sie eher bereit, die Geldpolitik weiter zu straffen, als eine erneute Verstetigung der Inflationsdynamik zu riskieren. Am langen Ende der Zinskurve scheint diese Entwicklung jedoch bereits eingepreist, weshalb die aktuellen Renditen aus unserer Sicht einen strategisch interessanten Einstiegspunkt für Anleiheinvestor:innen markieren. Wir sind zuversichtlich, dass Anleihen somit mittelfristig wieder ihre traditionelle Rolle als verlässlicher Ertragsbringer und stabilisierendes Element in der Vermögensanlage voll ausspielen können.

 

Autor:
Mag. (FH) Jakob Frauenschuh, CFA
Investment Strategy, Leiter Aktienteam Vermögensverwaltung Schoellerbank AG
jakob.frauenschuh@schoellerbank.at

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Stand: 31. März 2026

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