Regimewechsel am Kapitalmarkt: Staatsverschuldung, Inflation und die Rückkehr der Fiskalpolitik
Analysebrief Nr. 465 (29.07.2026)
- Über Jahre prägten Globalisierung, niedrige Inflation und expansive Geldpolitik das Umfeld an den Kapitalmärkten. Doch dieses Regime verändert sich zunehmend: An seine Stelle tritt eine Welt höherer Staatsverschuldung, aktiver Fiskalpolitik und wiederkehrender Inflationsimpulse
- In den USA verschieben hohe Haushaltsdefizite die Kräfteverhältnisse am Staatsanleihen-Markt. Auch bei möglichen Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve sprechen höhere Renditeaufschläge für strukturell erhöhte Langfristzinsen
- Europa befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen Disinflation und fiskalischer Expansion. Verteidigungsausgaben, Investitionen in Energieinfrastruktur und industriepolitische Maßnahmen erhöhen den staatlichen Kapitalbedarf deutlich
- Japan beendet schrittweise seinen jahrzehntelangen geldpolitischen Sonderweg. Die Rückkehr positiver Inflation und die Abkehr der Bank of Japan von ihrer ultralockeren Geldpolitik verändern globale Kapitalströme nachhaltig. Emerging Asia bleibt das strukturelle Wachstumszentrum der Weltwirtschaft, steht jedoch verstärkt zwischen geopolitischen Spannungen und fragmentierten Lieferketten
- Für Anleger:innen bedeutet dies vor allem, dass Stabilität künftig weniger selbstverständlich sein dürfte als in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Umso wichtiger bleiben Diversifikation und aktives Risikomanagement
Die Weltwirtschaft erlebt derzeit keinen klassischen Konjunkturzyklus, sondern eine strukturelle Neuordnung des globalen Wirtschafts- und Kapitalmarktregimes. An die Stelle des bisherigen Regimes tritt eine Welt höherer Staatsverschuldung, aktiver Fiskalpolitik und wiederkehrender Inflationsimpulse.
Das Ende eines außergewöhnlichen Kapitalmarktregimes
Über viele Jahre wurden die internationalen Kapitalmärkte von einem außergewöhnlich stabilen makroökonomischen Umfeld getragen. Globalisierung, demografischer Wandel, technologische Effizienzgewinne und expansive Geldpolitik sorgten weltweit für sinkende Inflationsraten und niedrige Finanzierungskosten. Zentralbanken wurden zu den dominierenden Akteuren an den Finanzmärkten und reagierten auf wirtschaftliche Abschwächungen regelmäßig mit Zinssenkungen und zusätzlichen Liquiditätsmaßnahmen.
Die folgende Grafik verdeutlicht den langfristigen Zusammenhang zwischen dem Grad der Globalisierung und der Entwicklung der weltweiten Inflation. Als Maßstab dient der KOF Globalisierungsindex der ETH Zürich, der die wirtschaftliche, soziale und politische Vernetzung der Staaten weltweit abbildet. Ergänzend sind die Inflationsdaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) dargestellt. Über weite Strecken der vergangenen Jahrzehnte ging die fortschreitende internationale Verflechtung mit einem vergleichsweise niedrigen globalen Inflationsniveau einher.
Globalisierung und die globale Inflation im historischen Vergleich (Indizes)

Quelle: Bloomberg. Globalisierung (KOF Globalisierungsindex, ETH Zürich) vs. globale Inflation (IWF, Bloomberg Inflation IINAWRLD Index).
Globalisierte Lieferketten, intensiver internationaler Wettbewerb und die Verlagerung von Produktionskapazitäten in kostengünstigere Regionen wirkten dämpfend auf die Preisentwicklung. Erst in den vergangenen Jahren führten geopolitische Spannungen, pandemiebedingte Lieferkettenprobleme und eine stärkere Fragmentierung des Welthandels zu einem Anstieg der Inflation und stellten den bislang disinflationären Effekt der Globalisierung zunehmend infrage.
Insbesondere nach der globalen Finanzkrise 2008 und während der Corona-Pandemie stützten Notenbanken die Märkte in historisch außergewöhnlichem Ausmaß durch Zinssenkungen und unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen – siehe nachstehende Grafik. Staatsanleihen entwickelten sich in diesem Umfeld vielfach zum Stabilitätsanker in gemischten Portfolios. In Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit profitierten sie häufig von sinkenden Renditen und steigenden Kursen, wodurch sie Verluste an den Aktienmärkten teilweise ausgleichen konnten.
Leitzinsen der wichtigsten Zentralbanken im Vergleich

Quelle: Daten aus Bloomberg. Eigene Darstellung. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.
Dieses Umfeld verändert sich jedoch sukzessive. Die wirtschaftspolitischen Gewichte verschieben sich schrittweise von der Geld- zur Fiskalpolitik. Staaten treten wieder stärker als aktive Akteure in Erscheinung – sowohl als Investoren als auch als Schuldner. Verteidigungsausgaben, Infrastrukturprogramme, industriepolitische Maßnahmen sowie die Transformation der Energieversorgung führen weltweit zu einem deutlich höheren Kapitalbedarf der öffentlichen Hand.
Evolution der fiskalischen Balance 2015 bis 2031: USA bleiben Impulsgeber der Weltwirtschaft
Quelle: IWF, Fiscal Monitor April 2026. World Economic Outlook Database; IMF staff calculations. Eigene Darstellung. Anmerkung: Jeder Kreis steht für ein Jahr. Die Linien zeigen den Verlauf von 2015 (leere Kreise) bis zum Prognosezeitraum 2025–2031 (gefüllte Kreise).
Hinzu kommt, dass geopolitische Spannungen und fragmentierte Lieferketten strukturelle Inflationsrisiken erhöhen könnten. Die Zeit nahezu unbegrenzter Globalisierung scheint einer Phase regionaler Interessenpolitik und wirtschaftlicher Fragmentierung zu weichen: Produktionskapazitäten werden wieder stärker regional organisiert, strategische Industrien abgesichert und Lieferketten diversifiziert. Diese Entwicklung erhöht zwar die wirtschaftliche Resilienz vieler Staaten, sie könnte jedoch gleichzeitig mit höheren Kosten verbunden sein.
Für die Kapitalmärkte bedeutet dies eine tiefgreifende Veränderung der Rahmenbedingungen. Die Phase dauerhaft sinkender Zinsen dürfte zunehmend der Vergangenheit angehören. Darüber hinaus gewinnen langfristige fiskalische Entwicklungen, geopolitische Risiken und strukturelle Inflationseinflüsse wieder deutlich an Bedeutung für die Preisbildung an den Finanzmärkten.
Die Vereinigten Staaten und die neue Schuldenrealität
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung derzeit in den Vereinigten Staaten. Hohe Haushaltsdefizite, umfangreiche Refinanzierungsvolumina und steigende Zinskosten verändern die Dynamik am Markt für US-Staatsanleihen nachhaltig. Selbst in wirtschaftlich robusten Phasen bleibt die Fiskalpolitik expansiv, wodurch sich das Angebot neuer Staatsanleihen deutlich erhöht.
Die Fiskalpolitik der USA war 2025 weiterhin von hohen Defiziten geprägt. Zwar verringerte sich das Haushaltsdefizit auf 6,8 % des BIP, doch steigende Zinsausgaben und dauerhaft niedrigere Steuereinnahmen infolge neuer Steuererleichterungen belasten die öffentlichen Finanzen strukturell.
Kurzfristig profitierten die USA von höheren Zolleinnahmen und einmaligen Buchungseffekten durch den „One Big Beautiful Bill Act“. Mittelfristig erwartet der IWF jedoch anhaltend hohe Defizite von 7–8 % des BIP und einen Anstieg der Staatsverschuldung von 123,9 % des BIP im Jahr 2025 auf rund 142 % bis 2031, wodurch die Risiken steigender Finanzierungskosten zunehmen.
US-Staatsverschuldung (in Prozent des BIP)

Quelle: IWF, Fiscal Monitor April 2026. Eigene Darstellung.
Zwar könnte die US-Notenbank Federal Reserve ihre Geldpolitik mittelfristig lockern, gleichzeitig sprechen steigende Emissionsvolumina und höhere Renditeanforderungen der Investor:innen jedoch dafür, dass Langfristzinsen strukturell auf einem höheren Niveau bleiben könnten als in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Die Finanzierung staatlicher Defizite gewinnt damit an Einfluss auf die Entwicklung der Kapitalmärkte.
Zudem verändert sich die Rolle der Notenbanken: Während die Märkte in den vergangenen Jahren stark auf geldpolitische Unterstützung vertrauten, stoßen Zentralbanken in einem Umfeld strukturell höherer Inflation immer öfter an Grenzen. Fiskalpolitische Impulse wirken weiterhin expansiv und erschweren damit eine rasche Rückkehr zu den Inflationsraten der Vorjahre. Der 5y5y-Inflationsswap bildet die vom Markt erwartete durchschnittliche Inflationsrate für den Zeitraum von fünf bis zehn Jahren ab – siehe nachstehende Grafik. Er wird häufig als Indikator für die langfristigen Inflationserwartungen in den USA verwendet, da er die aggregierten Erwartungen der Marktteilnehmer widerspiegelt und weniger anfällig für kurzfristige Preisschwankungen ist. Der Indikator ist seit der Coronapandemie zwar rückläufig, bewegt sich jedoch weiterhin oberhalb des Inflationsziels der US-Notenbank Fed von 2 %.
Langfristige US-Inflationserwartungen und Inflationsziel der US-Notenbank

Quelle: Bloomberg. Eigene Darstellung.
Zudem steigen die Zinskosten vieler Staaten spürbar. Mit höheren Refinanzierungsrenditen erhöht sich auch die Belastung öffentlicher Haushalte. Dies könnte langfristig dazu führen, dass fiskalische Nachhaltigkeit wieder stärker in den Fokus der Kapitalmärkte rückt. Anleger:innen beobachten daher nicht mehr ausschließlich die Entwicklung der Geldpolitik, sondern verstärkt auch die langfristige Tragfähigkeit staatlicher Haushalte.
Die Vereinigten Staaten bleiben zwar weiterhin der zentrale Anker des globalen Finanzsystems, dennoch zeigt sich vermehrt, dass auch dort strukturelle Verschuldungsthemen in den Fokus rücken. Gerade die Entwicklung der US-Staatsanleihemärkte besitzt aufgrund ihrer globalen Relevanz erheblichen Einfluss auf internationale Renditestrukturen und Kapitalflüsse.
Europa zwischen Transformation und Kapitalbedarf
Europa befindet sich zugleich in einer besonderen Ausgangslage. Einerseits hat sich die Inflationsdynamik seit dem Hoch im August 2023 abgeschwächt, andererseits steigt der fiskalische Druck deutlich. Höhere Verteidigungsausgaben, Investitionen in Energieinfrastruktur sowie Maßnahmen zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit führen zu einem wachsenden Kapitalbedarf der öffentlichen Hand.
Langfrstige EUR-Inflationserwartungen und Inflationsziel der Europäischen Zentralbank

Quelle: Bloomberg. Eigene Darstellung.
Die geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben darüber hinaus gezeigt, wie stark wirtschaftliche Stabilität mit Energieversorgung, technologischer Souveränität und sicherheitspolitischer Resilienz verbunden ist. Viele europäische Staaten investieren daher vermehrt in Infrastruktur, Digitalisierung und strategische Industrien. Diese Maßnahmen sollen langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken, erfordern kurzfristig jedoch erhebliche finanzielle Mittel.
Fiskalpolitik in Europa
Parallel dazu verändert die Energiewende die Investitionslandschaft nachhaltig. Der Umbau der Energieversorgung, Investitionen in Stromnetze, Speichertechnologien und alternative Energiequellen führen zu einem langfristig erhöhten Finanzierungsbedarf. Kapitalmärkte gewinnen damit noch mehr an Relevanz für die Finanzierung der wirtschaftlichen Transformation Europas. Auch die europäische Industriepolitik dürfte in den kommenden Jahren aktiver werden: Die zunehmende Konkurrenz zwischen den Vereinigten Staaten und China zwingt Europa dazu, strategische Schlüsselindustrien stärker abzusichern. Förderprogramme, staatliche Beteiligungen und Investitionsanreize könnten dadurch künftig eine größere Rolle spielen als in den vergangenen Jahrzehnten.
Haushaltsdefizite im Euroraum und großer Volkswirtschaften (in Prozent des BIP)

Quelle: IWF, April 2026. IWF-Schätzungen und -Prognosen. Eigene Darstellung.
Für Anleger:innen bedeutet dies ein Umfeld, in dem wirtschaftspolitische Entscheidungen wieder stärker Einfluss auf einzelne Sektoren und Regionen nehmen könnten. Fiskalpolitik entwickelt sich zusehends zu einem eigenständigen Faktor für Kapitalmarktentwicklungen und Unternehmensbewertungen.
Japan beendet seinen Sonderweg
Japan markiert indes das Ende eines jahrzehntelangen geldpolitischen Sonderwegs. Über viele Jahre galt das Land als Symbol extrem niedriger Inflation und ultralockerer Geldpolitik. Negative Zinsen und umfangreiche Anleihekaufprogramme prägten die japanische Finanzlandschaft über lange Zeit. Mit der Rückkehr positiver Inflationsraten verändert sich dieses Bild aber nun merklich. Die Bank of Japan hat begonnen, ihre ultralockere Geldpolitik schrittweise zu straffen. Diese Entwicklung verändert nicht nur die heimische Zinslandschaft, sondern könnte auch globale Kapitalströme nachhaltig beeinflussen.
Steigende Inflation leitet Japans geldpolitische Normalisierung ein

Quelle: Daten aus Bloomberg. Eigene Darstellung. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.
Insbesondere japanische Investor:innen zählen traditionell zu den wichtigsten internationalen Kapitalgeber:innen. Über viele Jahre investierten sie aufgrund niedriger heimischer Renditen verstärkt in internationale Anleihemärkte. Bereits kleinere Veränderungen im japanischen Zinsumfeld könnten daher Auswirkungen auf globale Renditeniveaus und Kapitalflüsse haben.
Die Normalisierung der japanischen Geldpolitik besitzt damit weit mehr als regionale Bedeutung. Sie zeigt gleichzeitig, dass selbst Volkswirtschaften mit jahrzehntelang niedriger Inflation nicht dauerhaft von globalen Inflationsentwicklungen entkoppelt bleiben. Für die Kapitalmärkte bedeutet dies einen weiteren Hinweis darauf, dass das weltweite Niedrigzinsumfeld schrittweise endet.
Zudem könnte die Entwicklung in Japan auch psychologisch relevant sein. Über Jahre galt das Land als Beispiel dafür, dass expansive Geldpolitik dauerhaft niedrige Renditen stabilisieren kann. Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht jedoch, dass strukturelle Inflationskräfte und fiskalische Adaptierungen langfristig selbst tief verankerte Marktregime verändern können.
Emerging Asia im geopolitischen Spannungsfeld
Emerging Asia bleibt indes das strukturelle Wachstumszentrum der Weltwirtschaft. Viele Länder der Region profitieren weiterhin von langfristigen Trends wie wachsender Mittelschicht, technologischer Entwicklung und steigender regionaler Integration. Besonders Indien und Teile Südostasiens gewinnen als Produktions- und Investitionsstandorte an Relevanz.
Zugleich bewegen sich die asiatischen Volkswirtschaften in einem Spannungsfeld geopolitischer Rivalitäten und fragmentierter Lieferketten. Vor allem die zunehmende Konkurrenz zwischen den Vereinigten Staaten und China verändert die globalen Handels- und Investitionsstrukturen nachhaltig.
Unternehmen reagieren darauf mit einer stärkeren Diversifikation ihrer Produktionsstandorte: Lieferketten werden regionaler organisiert, Produktionskapazitäten geografisch breiter verteilt und geopolitische Risiken stärker in Investitionsentscheidungen einbezogen. Die Phase einer weitgehend grenzenlosen Globalisierung dürfte damit kontinuierlich von einer stärker fragmentierten Weltwirtschaft abgelöst werden.
Diese Entwicklung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig das Ende globaler Wachstumsdynamik. Vielmehr könnte sich das Wachstum regional unterschiedlich entwickeln und stärker von geopolitischen Allianzen geprägt werden. Emerging Asia dürfte dabei trotz aller Herausforderungen eine zentrale Rolle innerhalb der Weltwirtschaft behalten.
Für Anleger:innen erhöht sich dadurch jedoch die Komplexität globaler Investitionsentscheidungen. Politische Entwicklungen, Handelskonflikte und regulatorische Veränderungen werden neben klassischen Konjunkturindikatoren immer relevanter. Regionale Diversifikation könnte damit künftig wichtiger werden als in den vergangenen Jahrzehnten.
Konsequenzen für die Geldanlage
Für die Kapitalmärkte bedeutet dieses Umfeld vor allem eines: Makroökonomische und geopolitische Entwicklungen gewinnen wieder deutlich an Einfluss auf die Preisbildung. Die Phase nahezu unbegrenzter Liquidität und dauerhaft sinkender Zinsen dürfte der Vergangenheit angehören. Stattdessen könnten höhere Schwankungen, strukturell höhere Finanzierungskosten und eine stärkere Differenzierung zwischen Regionen und Anlageklassen die kommenden Jahre prägen.
Gerade für Anleger:innen erhöht sich damit die Bedeutung einer breiten Diversifikation. Während traditionelle Korrelationen zwischen einzelnen Anlageklassen in bestimmten Marktphasen an Stabilität verlieren können, gewinnt die intelligente Kombination unterschiedlicher Risikoquellen weiter an Stellenwert. Neben Aktien und Staatsanleihen könnten dabei auch alternative Renditequellen sowie globale Diversifikation eine wichtigere Rolle spielen.
Zugleich dürfte aktives Risikomanagement wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. In einem Umfeld struktureller Umbrüche gewinnen langfristige Perspektiven, sorgfältige Analyse und eine disziplinierte Portfoliosteuerung an Relevanz. Kurzfristige Marktbewegungen bleiben zwar schwer prognostizierbar, langfristige strukturelle Entwicklungen lassen sich jedoch deutlich klarer identifizieren.
Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit zeigt sich die Relevanz eines langfristigen Investmentansatzes. Historisch betrachtet waren Kapitalmärkte immer wieder von strukturellen Veränderungen geprägt. Entscheidend bleibt daher weniger die kurzfristige Reaktion auf einzelne Marktbewegungen, sondern vielmehr die Fähigkeit, Portfolios robust und diversifiziert auf langfristige Entwicklungen auszurichten.
Qualität, Stabilität und eine sorgfältige Auswahl einzelner Anlageklassen erscheinen in hohem Maße erfolgsentscheidend. Zudem könnte die Zeit einfacher Marktregime und klarer geldpolitischer Unterstützung vorbei sein. Für Anleger:innen spricht daher vieles für einen disziplinierten, breit diversifizierten und langfristig orientierten Investmentansatz.
Fazit
Die neue Fiskalordnung verändert nicht nur die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, sondern auch die Mechanismen an den Kapitalmärkten selbst. Höhere Staatsverschuldung, strukturelle Inflationsrisiken und geopolitische Fragmentierung dürften das Marktumfeld der kommenden Jahre nachhaltig prägen.
Für Anleger:innen bedeutet dies vor allem, dass Stabilität künftig weniger selbstverständlich sein dürfte als in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Umso wichtiger bleiben Diversifikation, Qualität und eine langfristig ausgerichtete Anlagestrategie im Sinne eines disziplinierten Vermögensmanagements.
Die Kapitalmärkte treten damit in eine Phase ein, in der fiskalpolitische Entwicklungen, geopolitische Veränderungen und strukturelle Inflationseinflüsse wieder stärker über Renditen, Risiken und Kapitalflüsse entscheiden dürften. Gerade in einem solchen Umfeld gewinnen Klarheit, Stabilität und eine langfristige Perspektive weiter an Bedeutung.
Autor:
Mag. Jörg Moshuber, CPM, CIIA, CEFA
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Stand: 29. Juli 2026
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