Im Zeichen des Feuerpferdes: Asien im Zentrum des strukturellen Wandels der Energiemärkte

Analysebrief Nr. 462 (26.3.3026)


  • Das chinesische Jahr des Feuerpferdes 2026 steht im Zeichen von Dynamik und Wandel, die sich auch an den globalen Energiemärkten zeigen. Geopolitische Spannungen – insbesondere rund um die Straße von Hormus – verdeutlichen die Verwundbarkeit globaler Lieferketten
  • Die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Engpass im globalen Ölhandel und ein wesentliches geopolitisches Risiko. Gleichzeitig nimmt die einseitige Abhängigkeit vom Nahen Osten durch zunehmende Diversifikation der Energieversorgung ab. Insgesamt befinden sich die globalen Energiemärkte in einem strukturellen Wandel, in dem Diversifikation und energiepolitische Ausrichtung zunehmend über die Widerstandsfähigkeit entscheiden
  • China und Indien stärken ihre Versorgungssicherheit durch strategische Reserven, breitere Importquellen und den Ausbau erneuerbarer Energien. Dadurch bleibt eine grundsätzliche Abhängigkeit bestehen, die Anpassungsfähigkeit steigt jedoch deutlich
  • Japan, Südkorea und Taiwan sind weiterhin stark von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig. Strukturelle und technische Faktoren erschweren eine rasche Diversifikation und erhöhen die Anfälligkeit für geopolitische Störungen
  • Steigende Ölpreise und zunehmende Unsicherheiten in globalen Lieferketten verändern die Attraktivität verschiedener Anlageklassen. Insbesondere erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektrifizierung profitieren strukturell, während strategische Rohstoffe und regionale Diversifikation verstärkt in den Fokus von Investitionsentscheidungen rücken. Neben Öl und Gas gewinnt beispielsweise Helium an Bedeutung

Hohe Dynamik und strukturelle Veränderungen an den globalen Ölmärkten

Das chinesische Jahr des Feuerpferdes steht sinnbildlich für Dynamik, Tempo und tiefgreifende Veränderung ­– Eigenschaften, die sich derzeit auch an den globalen Energiemärkten widerspiegeln. Geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus verdeutlichen die anhaltende Verwundbarkeit globaler Lieferketten.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Die Auswirkungen sind keineswegs gleich verteilt. Volkswirtschaften, die in den vergangenen Jahren gezielt auf Diversifikation und strategische Resilienz gesetzt haben, erweisen sich heute als deutlich widerstandsfähiger.

Die neue geopolitische Öl-Landkarte

Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls transportiert wird, bleibt ein zentraler neuralgischer Punkt des globalen Energiesystems. Sie ist weniger ein akutes Krisenzentrum als vielmehr ein strukturelles Risiko, dessen Bedeutung in Zeiten geopolitischer Spannungen immer wieder deutlich zutage tritt.

Gleichzeitig hat sich die klassische Abhängigkeit vom Nahen Osten in den letzten Jahren zunehmend differenziert. Nationale Strategien zur Diversifizierung von Importquellen, zum Aufbau strategischer Reserven und zur Transformation der Energiesysteme führen zu einer neuen, fragmentierten geopolitischen Landkarte.

China: höhere Resilienz durch Diversifikation und Strukturwandel

China, der weltweit größte Ölimporteur, hat seine Verwundbarkeit gegenüber externen Schocks in den vergangenen Jahren systematisch reduziert. Ein zentraler Pfeiler ist der Aufbau umfangreicher strategischer und kommerzieller Ölreserven, die auf insgesamt rund 1,2 bis 1,4 Milliarden Barrel geschätzt werden. Diese Bestände ermöglichen es, im Falle signifikanter Lieferunterbrechungen mehrere Monate – in konservativen Szenarien etwa vier bis sechs – zu überbrücken.

Noch bedeutsamer ist jedoch der strukturelle Wandel im Energiesystem. Öl und Erdgas spielen in der Stromerzeugung eine untergeordnete Rolle und tragen lediglich rund vier Prozent zum Strommix bei – deutlich weniger als in vielen anderen asiatischen Volkswirtschaften. Parallel dazu hat China den Ausbau erneuerbarer Energien massiv vorangetrieben. Ende 2025 lag deren Anteil an der installierten Stromerzeugungskapazität bei über 60 %. Zwar spiegelt dies nicht unmittelbar die tatsächliche Stromproduktion wider, unterstreicht jedoch die langfristige strategische Ausrichtung.

Hinzu kommt eine gezielte geografische Diversifizierung der Importströme. Neben weiterhin bedeutenden Lieferungen aus dem Nahen Osten spielen Russland – insbesondere über pipelinesichere Routen –, Brasilien sowie zunehmend auch Kanada eine gewichtigere Rolle. Diese Kombination aus physischen Reserven, strukturellem Wandel und geopolitischer Diversifizierung macht China zu einem vergleichsweise resilienten Akteur im globalen Energiesystem.

Indien: strategische Flexibilität durch Diversifizierung

Auch Indien hat seine Energiepolitik in bemerkenswert kurzer Zeit neu ausgerichtet. Die Zahl der Rohöllieferanten wurde deutlich ausgeweitet, und das Land nutzt zunehmend die Flexibilität globaler Märkte. Besonders prägend war dabei der starke Anstieg der Importe aus Russland seit 2022, wodurch sich die Abhängigkeit vom Nahen Osten spürbar reduziert hat.

Gleichzeitig hat Indien alternative Handelsrouten erschlossen und seine logistische Flexibilität erhöht. Ein wachsender Anteil der Importe erfolgt heute über Routen, die nicht unmittelbar von geopolitischen Engpässen wie der Straße von Hormus betroffen sind. Ergänzt wird diese Strategie durch strategische Ölreserven, die den nationalen Bedarf für mehr als zwei Monate decken können. Insgesamt hat Indien damit seine Verwundbarkeit zwar nicht vollständig beseitigt, aber deutlich reduziert und seine Anpassungsfähigkeit gegenüber externen Schocks erheblich verbessert.

Die strukturell Verwundbaren: Japan, Südkorea und Taiwan

Im Gegensatz dazu stehen Japan, Südkorea und Taiwan, deren Energiesysteme weiterhin stark von Importen abhängig sind – insbesondere aus dem Nahen Osten. Japan bezieht über 90 % seiner Rohölimporte aus dieser Region. Diese hohe Konzentration ist nicht nur historisch gewachsen, sondern auch technisch verankert: Raffinerien sind häufig auf bestimmte Rohölqualitäten ausgelegt, sodass eine kurzfristige Umstellung auf alternative Lieferanten mit erheblichen Anpassungskosten verbunden wäre.

Südkorea weist mit rund 70 % ebenfalls eine hohe Abhängigkeit auf. Zwar verfügt das Land über umfangreiche strategische Reserven, die kurzfristige Versorgungsengpässe abfedern können, doch die strukturelle Abhängigkeit von maritimen Transportwegen bleibt bestehen. Taiwan schließlich ist in ähnlichem Maße exponiert. Ein Großteil der Energieimporte stammt aus dem Nahen Osten und muss über kritische Seewege transportiert werden. Gleichzeitig ist die Insel aufgrund ihrer zentralen Rolle in der globalen Halbleiterproduktion besonders sensibel gegenüber Unterbrechungen in Energie- und Rohstofflieferketten.

Diese drei Volkswirtschaften – Japan, Südkorea, Taiwan – sind daher nicht nur energiepolitisch, sondern auch industriepolitisch besonders verwundbar.

Übersicht asiatischer Ölimporte aus dem Nahen Osten

Übersicht asiatischer Ölimporte aus dem Nahen Osten

Quelle: *International Energy Agency, U.S. Energy Information Administration, Kpler, Japan METI, India Petroleum Ministry.

Ölexporte nach Asien

Übersicht über Ölexporte nach Asien

Quelle: Fortune, Wood Mackenzie.

Strategische Rohstoffe und die Fragilität globaler Lieferketten

Die aktuelle geopolitische Lage verdeutlicht zudem, dass sich Risiken nicht auf klassische Energieträger wie Öl und Gas beschränken. Auch strategische Rohstoffe und Industriegase geraten zunehmend in den Fokus. Ein Beispiel ist Helium, das in verschiedenen Hochtechnologieprozessen – darunter in Teilen der Halbleiterfertigung – als Schutz- und Prozessgas eingesetzt wird.

Ein erheblicher Anteil der globalen Heliumproduktion stammt aus wenigen Ländern, darunter auch Staaten im Nahen Osten, z. B. Katar. Diese Konzentration macht die Versorgung anfällig für geopolitische Störungen. Zwar existieren alternative Produktionsstandorte, doch kurzfristige Ausfälle können dennoch spürbare Auswirkungen auf industrielle Lieferketten haben.

Implikationen für Kapitalmärkte und Investitionen

Steigende Ölpreise und zunehmende Unsicherheiten in globalen Lieferketten verändern auch die Attraktivität verschiedener Anlageklassen. Insbesondere Sektoren wie erneuerbare Energien, Energieeffizienztechnologien und Elektrifizierung profitieren strukturell von einem Umfeld höherer fossiler Energiepreise und politischer Bestrebungen zur Reduktion von Abhängigkeiten.

Zudem rücken strategische Rohstoffe – etwa für Batterien, Halbleiter oder Wasserstofftechnologien – stärker in den Fokus der Investor:innen. Die wachsende Fragilität globaler Lieferketten erhöht den Wert von Versorgungssicherheit und regionaler Diversifikation, was sich zunehmend in Investitionsentscheidungen und Kapitalallokationen widerspiegelt.

Fazit:

Die globalen Ölmärkte befinden sich in einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderung. Klassische Abhängigkeiten bestehen fort, werden jedoch zunehmend durch nationale Strategien der Diversifizierung, den Ausbau erneuerbarer Energien und den Aufbau strategischer Reserven überlagert. Das Ergebnis ist eine fragmentierte Energielandschaft, in der Verwundbarkeit und Resilienz immer stärker auseinanderdriften. Während Länder wie China und Indien ihre Anpassungsfähigkeit systematisch erhöhen, bleiben andere Volkswirtschaften aufgrund struktureller Gegebenheiten stark exponiert.

Das veränderte Energieumfeld rückt erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektrifizierung stärker in den Fokus. Gleichzeitig gewinnen strategische Rohstoffe wie Helium sowie regionale Diversifikation für Investitionsentscheidungen an Bedeutung. Das Jahr des Feuerpferdes steht damit nicht nur symbolisch für Dynamik, sondern beschreibt treffend eine Realität, in der Geschwindigkeit, Flexibilität und strategische Weitsicht über wirtschaftliche Stabilität entscheiden.

Autorin:

Yanxin Teng, MSc.
Fondsmanagerin
Investments Strategy Specialist
Schoellerbank Invest AG

Rückfragen bitte auch an:

Marcus Hirschvogl, BA, ACI OC
Pressesprecher, Media Relations & Executive Communications
Kommunikation und PR
Schoellerbank AG
Tel.: +43/1/534 71-2950
1010 Wien, Renngasse 3
marcus.hirschvogl@schoellerbank.at

Die Schoellerbank, gegründet 1833, ist eine der führenden Privatbanken Österreichs und gilt als Spezialist für anspruchsvolle Vermögensanlage. Sie konzentriert sich auf die Kernkompetenzen Vermögensanlageberatung, Vermögensverwaltung und Wealth Advisory. Ihre Anlagephilosophie definiert sich über das Motto „Investieren statt Spekulieren“. Die Schoellerbank ist mit acht Standorten und 310 Mitarbeiter:innen die einzige österreichweit vertretene Privatbank. Sie verwaltet für private und institutionelle Anleger:innen ein Vermögen von mehr als 14 Milliarden Euro.


Die Schoellerbank ist eine 100%ige Tochter der UniCredit Bank Austria und das Kompetenzzentrum der UniCredit für Wealth Management in Österreich. Mehr Informationen unter www.schoellerbank.at.

Das sollten Sie als Anleger:in beachten – wichtige Risikohinweise:

Jede Kapitalveranlagung ist mit einem Risiko verbunden. Wert und Rendite einer Anlage können plötzlich und in erheblichem Umfang steigen oder fallen und können nicht garantiert werden. Auch Währungsschwankungen können die Entwicklung des Investments beeinflussen. Es besteht die Möglichkeit, dass der:die Anleger:in nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält, unter anderem dann, wenn die Kapitalanlage nur für kurze Zeit besteht. Unter außergewöhnlichen Umständen kann es bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals samt Kaufspesen kommen. Wir weisen darauf hin, dass sich die Zahlenangaben bzw. Angaben zur Wertentwicklung auf die Vergangenheit beziehen und dass die frühere Wertentwicklung kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse ist. Gebühren und steuerliche Aufwendungen können die angeführten Performancezahlen reduzieren.

Rechtliche Hinweise:

Diese Unterlage wurde nur zu Werbezwecken erstellt und stellt keine Finanzanalyse, keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar. Die vorliegenden Informationen sind insbesondere kein Angebot und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren sowie keine Aufforderung, ein solches Angebot zu stellen. Sie dienen nur der Erstinformation und können eine auf die individuellen Verhältnisse und Kenntnisse der Anleger:innen bezogene Beratung nicht ersetzen. Diese Marketingmitteilung wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

Über den grundsätzlichen Umgang der Schoellerbank AG mit Interessenkonflikten sowie über die Offenlegung von Vorteilen informiert Sie die Broschüre „MiFID II – Markets in Financial Instruments Directive“. Ihr:e Berater:in informieren Sie gerne im Detail.

Bezüglich der steuerlichen Behandlung wenden Sie sich bitte an Ihre:n Steuerberater:in. Die steuerliche Behandlung ist von den persönlichen Verhältnissen der Anleger:innen abhängig und kann künftig Änderungen unterworfen sein.

Die vorliegenden Informationen wurden von der Schoellerbank AG, Renngasse 3, 1010 Wien auf der Grundlage von öffentlich zugänglichen Quellen erstellt, die als zuverlässig eingeschätzt werden. Die Informationen können jederzeit einer Änderung unterliegen. Die Schoellerbank AG ist zu einer Aktualisierung dieser Informationen nicht verpflichtet. Die Haftung der Schoellerbank AG für leichte Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit der Quellenrecherche und -studie und den darauf beruhenden Informationen wird ausgeschlossen.

Diese Unterlage darf nicht an „US-Persons“ (Regulation S des US-Securities Act 1933) ausgehändigt werden.

Vervielfältigungen – in welcher Art auch immer – sind nur nach vorheriger ausdrücklicher Genehmigung der Schoellerbank AG zulässig. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre:n Betreuer:in. Irrtum und Druckfehler vorbehalten.

Stand: 26. März 2026

Diese Marketingmitteilung wurde von der Schoellerbank AG, Renngasse 3, 1010 Wien erstellt (Medieninhaber und Hersteller).