„Nachhaltigkeit trifft Performance“ - Ausgabe 05 / 8. Oktober 2026
In unserer Serie zeigen wir, dass nachhaltiges Investieren weit mehr ist als ein moralischer Imperativ – nämlich Ausdruck einer klugen, zukunftsorientierten „Smart Economy“.
Newmont: Wie Technologie und verantwortungsvolle Führung den Goldbergbau verändern
von Jörg Moshuber, CIO UniCredit Schoellerbank Invest
Die fünfte Ausgabe beleuchtet, wie Newmont autonome Fahrzeuge, private 5G-Netze, Wasserkreisläufe und strukturierte Kontrollprozesse nutzt, um Sicherheit, Ressourceneinsatz und Betriebsabläufe an Goldminen-Standorten zu verbessern.
Gold zählt seit Jahrhunderten zu den wertbeständigsten Rohstoffen der Welt. Seine Förderung ist jedoch mit erheblichen ökologischen und sozialen Herausforderungen verbunden. Minen benötigen große Mengen an Energie und Wasser, verändern Landschaften und müssen über viele Jahre sicher betrieben sowie anschließend kontrolliert geschlossen werden. Umso wichtiger ist es, wie energieeffizient der Abbau erfolgt und wie der Wasserverbrauch reduziert wird. Newmont zählt zu den weltweit größten Goldproduzenten und betreibt Minen und Entwicklungsprojekte in Nord- und Südamerika, Australien, Afrika sowie Papua-Neuguinea. Aufgrund seiner Größe kann Newmont neue Technologien nicht nur in einzelnen Testanlagen erproben, sondern unter realen Bedingungen in großen Bergwerken einzusetzen.
Qualität statt Wachstum um jeden Preis
Newmont Mining setzt nicht auf Wachstum um jeden Preis, sondern konzentriert sich auf große, langlebige Standorte, an denen Investitionen in Wassermanagement, Tailings-Sicherheit und Emissionsreduktion langfristig eingesetzt werden können. Nach der Übernahme von Newcrest im Jahr 2023 restrukturierte das Unternehmen sein Portfolio und veräußerte mehrere kleinere sowie ressourcenintensivere Minen. Für 2026 erwartet Newmont daher eine Goldproduktion von rund 5,7 Millionen Unzen, nach 5,9 Millionen Unzen im Vorjahr.
Autonome Lkw: verbessern Sicherheit und Effizienz
Newmont hat in den vergangenen Jahren in die Modernisierung des Minenbetriebs investiert. Damit sollen die Lebensdauer ausgewählter Minen um bis zu zwei Jahre verlängert, Betriebsabläufe effizienter gestaltet und Sicherheitsrisiken reduziert werden.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie ist der verstärkte Einsatz autonomer Transportfahrzeuge. Diese bewegen große Gesteinsmengen selbstständig durch den Tagebau und werden dabei von Sensoren, digitalen Streckeninformationen sowie zentralen Steuerungssystemen unterstützt. Die Technologie trägt dazu bei, Betriebsabläufe effizienter zu gestalten und Sicherheitsrisiken für Mitarbeiter zu reduzieren. In der Boddington-Mine in Australien führte Newmont nach eigenen Angaben die erste vollständig autonome Lkw-Flotte in einer offenen Goldmine ein. Dabei kommen insgesamt 36 autonome Caterpillar-Muldenkipper zum Einsatz. Newmont investierte rund 150 Millionen US-Dollar in das System.
Privates 5G bringt Digitalisierung unter Tage
Die Digitalisierung verbindet drei Ziele: höhere Sicherheit, stabilere Produktionsabläufe und eine effizientere Nutzung der vorhandenen Maschinen. Eine zuverlässige Datenverbindung ermöglicht es, ferngesteuerte Lader, Bohrgeräte und andere Maschinen gleichzeitig zu betreiben. Beschäftigte können Maschinen dadurch aus sicherer Entfernung steuern. Dazu gehören Kollisionswarnungen, Radarsysteme und automatisierte Kontrollen von Maschinen. Gemeinsam mit Ericsson und Telstra Purple wurde dort ein privates 5G-Netz für den unterirdischen Bergbau getestet. Mit dem privaten 5G-Netz wurden in wichtigen Abbaubereichen bis zu 150 Mbit/s im Upload und 500 Mbit/s im Download erreicht. Newmont plant, die Technologie künftig für zusätzliche autonome Bohrgeräte, Grader und Transportfahrzeuge einzusetzen. In der Cadia-Mine in Australien wird bereits diese moderne Technologie angewendet.
Wassermanagement: Kreisläufe reduzieren Verbrauch und Risiken
Newmont verfolgt eine globale Wasserstrategie. Nach Unternehmensangaben wurden 2025 rund 71 Prozent des eingesetzten Wassers recycelt. Der Wasserverbrauch über alle Standorte hinweg lag 10 Prozent unter dem Vergleichswert von 2018. Bergwerke benötigen Wasser unter anderem zur Aufbereitung von Erz, zur Staubkontrolle und für verschiedene technische Prozesse. Zugleich liegen einzelne Minen in Regionen, in denen Wasserknappheit ein wachsendes Problem darstellt. Technische Kreislaufsysteme ermöglichen die mehrfache Nutzung von Prozesswasser. Messsysteme überwachen Wasserströme, erkennen Verluste zu erkennen und unterstützen die genauere Steuerung des Verbrauchs einzelner Anlagen. Dies kann Betriebskosten und Versorgungsrisiken reduzieren und die Betriebssicherheit insbesondere an wasserarmen Standorten unterstützen.
Minenschließung nach definierten Rekultivierungs- und Monitoringmaßnahmen
2025 führte Newmont nach eigenen Angaben Selbstbewertungen bei mehr als 50 Anlagen durch, die nicht als vorrangige Einrichtungen eingestuft waren. Dazu zählen die Stabilisierung von Flächen, die Behandlung von Wasser, die Wiederherstellung von Lebensräumen und die langfristige Überwachung geschlossener Standorte. Eine verantwortungsvolle Mine muss zudem bereits während ihres Betriebs auf die spätere Schließung vorbereitet werden. Diese Maßnahmen dienen dem Umwelt- und Sicherheitsmanagement und können zugleich hohe Folgekosten, Betriebsunterbrechungen und Reputationsrisiken begrenzen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem verantwortungsvollen Management von Tailings, den Rückständen aus der Rohstoffaufbereitung. Da diese häufig Schwermetalle wie Arsen oder Quecksilber sowie Chemikalien aus der Erzaufbereitung enthalten können, muss ihre sichere Lagerung dauerhaft überwacht und technisch abgesichert werden. Die dafür genutzten Bergbau-Rückhaltebecken weisen eine weltweite Versagensrate von rund 1,2 Prozent auf und liegen damit deutlich über der von konventionellen Talsperren.
Technologie ergänzt soziale Verantwortung
Newmont arbeitet mit Menschenrechtsrichtlinien, Due-Diligence-Prozessen und Konsultationssystemen für betroffene Gemeinden. Im Jahr 2025 führte das Unternehmen außerdem „Always Safe“ als einheitlichen Ansatz für Gesundheit und Sicherheit ein. Das Programm soll Standards standortübergreifend vereinheitlichen, Risiken stärker in tägliche Entscheidungen einbeziehen und die Verantwortung der Führungskräfte klarer verankern. Für 2025 verzeichnete das Unternehmen keine tödlichen Arbeitsunfälle.
Fazit: Technologie unterstützt Sicherheits- und Umweltmanagement
Newmont setzt Technologien ein, um Arbeitssicherheit, Wasserrecycling und Anlagenüberwachung zu verbessern. Autonome Lkw verringern die direkte Gefährdung von Beschäftigten und verbessern den Materialtransport. Private 5G-Netze ermöglichen eine zuverlässigere Fernsteuerung unter Tage. Digitale Mess- und Kreislaufsysteme helfen, Wasser mehrfach zu nutzen. Verbesserte Kontrollverfahren erhöhen die Sicherheit von Tailings-Anlagen. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Gold eine Mine produziert, sondern wie effizient sie Energie und Wasser nutzt, wie gut sie Beschäftigte schützt und wie verantwortungsvoll sie mit Landschaften, Rückständen und lokalen Gemeinschaften umgeht. Bei Newmont kann der gezielte Einsatz dieser Technologien mehr Sicherheit und Nachhaltigkeit, effizientere Betriebsabläufe, geringere Risiken und langfristig niedrigere Kosten unterstützen.
Newmont im Überblick
Newmont - Kursentwicklung Jänner 2024 bis September 2026

Quelle: Bloomberg
Facts & Figures
Unternehmenssitz: USA (Denver)
Heimatbörse:
- NYSE (New York Stock Exchange)
Marktkapitalisierung:
- 108,55 Milliarden Euro (Stand: September 2026)
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